Altenpflege in China: Herausforderungen und Chancen in einer sich verändernden Gesellschaft
Die demografische Entwicklung Chinas stellt das Land vor große Herausforderungen: Die Bevölkerung altert rapide und die Geburtenrate sinkt. Dies führt zu einem Mangel an Pflegepersonal und einem steigenden Bedarf an hochwertiger Pflege für ältere Menschen. In diesem Blogartikel beleuchten wir den aktuellen Stand der Altenpflege in China, die Herausforderungen und Chancen sowie innovative Ansätze zur Verbesserung der Pflege.
Demografischer Wandel und seine Folgen
China befindet sich in einem demografischen Wandel, der durch eine rasch alternde Bevölkerung und sinkende Geburtenraten gekennzeichnet ist. Im Jahr 2023 wird die Zahl der über 65-Jährigen erstmals die 200-Millionen-Marke überschreiten, bis 2050 soll diese Zahl auf 400 Millionen ansteigen.
Die seit 1979 geltende Ein-Kind-Politik hat zu einem Ungleichgewicht zwischen den Generationen geführt. Hinzu kommt, dass die Lebenserwartung in China in den letzten Jahrzehnten stetig gestiegen ist.
Mit wirtschaftlichen Veränderungen und zunehmender Urbanisierung hat sich die traditionelle Familienstruktur verändert. Viele junge Menschen ziehen auf der Suche nach Arbeit in die Stadt, was zur Trennung von älteren Verwandten führen kann. Dies stellt eine Herausforderung für die traditionelle Altenpflege dar, da die Unterstützung durch die Familie nicht mehr gewährleistet ist.
Herausforderungen bei der Altenpflege in China
Bei steigendem Pflegebedarf älterer Menschen und der Bedarf an hochwertiger Altenpflege, herrscht in China zusätzlich ein erheblicher Mangel an qualifizierten Pflegekräften.
Es wird geschätzt, dass China bis 2050 etwa 50 Millionen Pflegekräfte benötigen wird.Der Pflegeberuf in China genießt jedoch ein geringes Ansehen. Die Löhne im Altenpflegesektor sind niedrig und die Arbeitsbedingungen sind oft schlecht. Die Qualität der Altenpflege variiert regional stark.Für den Pflegebedürftigen selbst stellt die Finanzierung der Altenpflege ein großes Problem dar, da die staatlichen Leistungen oft unzureichend sind.
Neue Methoden der Altenpflege
Angesichts dieser Veränderungen hat die chinesische Regierung damit begonnen, einen neuen Ansatz für die Pflege älterer Menschen zu fördern. Dazu gehörten die Einrichtung von Pflegeheimen und die Entwicklung sozialer Programme für ältere Menschen. Pflegeheime bieten älteren Erwachsenen, die keine familiäre Unterstützung haben, professionelle Pflege und medizinische Hilfe. Gleichzeitig werden soziale Programme geschaffen, um älteren Erwachsenen soziale Aktivität und Unterstützung in ihrem unmittelbaren Umfeld zu bieten.
Die Regierung investiert auch in den Ausbau der Pflegeausbildung und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Es werden neue Pflegemodelle entwickelt, wie zum Beispiel die ambulante Pflege und Tagespflege.
Die Rolle der Technologie
Auch in der Altenpflege in China spielen technologische Innovationen eine immer wichtigere Rolle. Mit der mobilen App können Senioren Arzttermine vereinbaren, Lebensmittel bestellen und in Kontakt bleiben, auch wenn sie alleine leben. Darüber hinaus setzen einige Pflegeheime Roboter ein, die einfache Aufgaben erledigen und Pflegekräften Zeit geben, sich mit den Bewohnern mehr zu beschäftigen.
Im häuslichen Bereich wird der Einsatz von Smart-Home-Technologie erprobt. Diese intelligente Technologie soll zur Unterstützung der Pflege dienen. Über digitale Plattformen können Pflegekräfte mit den Pflegebedürftigen kommunizieren und somit die Organisation der Pflege erleichtern.
Pilotprojekt in Tianjin
Eines von der chinesischen Zentralregierung gefördertes der Pilotprojekte befindet sich in Tianjin. Dort werden bei der Stadtverwaltung über eine riesige Hightechplattform die Daten wie Herzfrequenz, Blutdruck, die Bewegungen oder auch Wasser- und Stromverbrauch von rund 160000 Senioren überwacht. Weicht zum Beispiel der Wasserverbrauch bei einem Senioren von der Norm ab, wird ein Alarm ausgelöst. Die Angehörigen werden ebenfalls über sämtliche Daten informiert.
Eine Sozialarbeiterin bzw. ein Sozialarbeiter vom Nachbarschaftskomitee der KP berät die Senioren. So werden in der Wohnung über einen Infrarotsensor die Bewegungen der Senioren erfasst und im Schlafzimmer neben dem Bett ein Notknopf installiert. Mit Hilfe eines kleinen Miniroboters werden auf direkte Bitte der Senioren Informationen gespeichert, die später wieder von ihnen abgerufen werden können. Mit dem Roboter ist ein smartes Armband verbunden. Auf diese Weise können auch Blutdruck, Herzfrequenz, Schlafstunden und Schrittzahl abgefragt und an die Stadtverwaltung und an die Angehörigen weitergegeben werden. Für Chinesen bedeutet es Sicherheit.
Virtuelles Altersheim
Ein anderes Projekt ist das Virtuelle Altersheim in Lanzhou. Um Kosten zu sparen, wohnen hier über 130000 Senioren zwar zuhause, werden aber mit Hilfe einer Art Callcenter zentral betreut. Per Telefon können die Senioren Reinigungsdienste, Essenslieferungen und Arztgespräche anfordern. Der eigentliche Kontakt zwischen Senioren und Verwaltungskräften verläuft dann visuell über Monitore.
Gut einsehbar kann auf einer Karte mit einem großen Display für jede Person der derzeitige Standort und die Bestellung abgelesen werden
Die Körpertemperatur kann auch automatisch gemessen werden und selbst das Verlassen des Hauses wird registriert. Kehrt ein Bewohner nicht nach Hause zurück, wird ein Alarm ausgelöst und der Standort wird per Tracking erfasst.
Für bettlägerige Menschen gibt es ein Sensorband. Damit werden die Druckpunkte und somit der Zustand dieses Menschen ermittelt und auf einem Display erkennbar gemacht.
Einmal in der Woche wird in einem 15-menütigen Hausbesuch streng nach Protokoll ein medizinischer Check durchgeführt: ein Foto vom Bewohner gemacht, Blutdruck gemessen,….. Alles wird akribisch aufgezeichnet, sogar das Gespräch.
Einmal am Tag kommt eine Haushaltshilfe vorbei, die bei einem Subunternehmer des virtuellen Altersheims angestellt ist. Trotz fehlender Ausbildung als Pflegekraft, muss sie diese Tätigkeiten ausführen: pflegebedürftige Bewohner waschen, Urinbeutel wechseln und so weiter. Außerdem putzt sie die Wohnung und geht einkaufen. Auch die Arbeit der Haushaltshilfe wird genauestens überwacht.
Wer sich ausführlicher informieren möchte, kann sich das folgend Video vom Weltspiegel ansehen:
Fazit:
Die Altenpflege in China verändert sich. Während traditionelle Familienstrukturen weiterhin eine wichtige Rolle spielen, werden neue Ansätze entwickelt, um den Bedürfnissen der alternden Bevölkerung in der heutigen Gesellschaft gerecht zu werden. Durch die Kombination traditioneller Werte mit innovativen Lösungen ist China bestrebt, eine umfassende und durchdachte Pflege für ältere Menschen zu bieten. Allerdings geht China dabei einen eigenen, einen speziell chinesischen Weg.


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